Samstag, 11. Mai 2013

La vida argentina

Hallo meine Lieben,

ich fand es total schön den Kommentaren zu entnehmen, dass sich einige für mein Auslandssemester hier in Argentinien interessieren und selbstverständlich schreibe ich gerne darüber.
Zunächst einmal möchte ich euch aber ein bisschen was über die Gründe erzählen, warum ich überhaupt ein Auslandssemester mache und warum gerade in diesem Land. Zunächst einmal besteht einfach schon mein langer Wunsch nach einem längeren Auslandsaufenthalt und das auch gerne und bitte in einem Land, das weit entfernt ist. Also irgendwas in Europa zählt somit für mich schon mal nicht, da es einfach zu nah an zu Hause ist.
Vor mittlerweile 3 Jahren fing ich dann in der Uni an Kurse in Spanisch zu belegen, weil ich einige Freunde in spansichsprachigen Ländern habe und mich der Klang der Sprache begeistert hat. Also begann ich Spanisch zu lernen. Die Unikurse sind meiner Meinung nach nicht hierfür geeignet, da einfach zu wenig Wert auf sprechen gelegt wird. Ich würde es nicht empfehlen, aber häufig bleibt einfach gar keine andere Möglichkeit, da es finanziell doch sehr teuer ist Sprachkurse zu belegen. Innerlich hatte ich schon das Ziel vor Augen irgendwann ins Ausland zu gehen und Ende 2011 bewarb ich mich an meiner Uni dann um einen Platz im Ausland. Man kann 3 Präferenzen angeben, eigentlich wollte ich nach Costa Rica, aber just in diesem Jahr hatten sie die Verträge aufgekündigt und die Möglichkeit bestand nicht mehr. Warum als Zweitwahl Argentinien? Ich glaub hier waren relativ viele Plätze frei und ich dachte, dass das vielleicht meine Chancen erhöht ;) Nach einem langwierigen und anstrengenden Auswahlverfahren bekam ich also die Zusage von meiner Universität und so konnte ich mich dann im Sommer 2012 hier an der Uni bewerben. Die Zusage von hier kam dann letztlich im November 2012 und damit begann dann das Abenteuer. Ich musste mir eine Wohnung suchen (Flug hatte ich schon vorher gebucht ;)) und mein Leben hier aus Deutschland arrangieren. Alles ist mit sehr viel Papierkram verbunden und sehr aufwendig, aber es lohnt sich. Und ich hatte ja von den Anfängen schließlich auch über ein Jahr Zeit mich vorzubereiten.
Ende Februar kam ich dann also in Argentinien an und lebe seitdem hier und werde bis Ende Juli bleiben, also gute fünf Monate insgesamt. Mittlerweile ist schon fast die Hälfte rum und meiner Meinung nach sind fünf Monate viel zu kurz. Ich sehne das Ende fast gar nicht herbei.
Ich habe eine super liebe argentinische Mitbewohnerin und so viele neue Leute unterschiedlicher Nationalitäten kennen und lieben gelernt, dass ich möchte, dass es nie vorbei geht. Hinzu kommt noch das tolle Wetter hier. Da Argentinien auf der südlichen Erdhalbkugel liegt, war im Februar knackiger Sommer und auch wenn mittlerweile Spätherbst ist, sind die Tage nie unter 22°C und eher mehr. Also T-Shirt Wetter. Das ist definitiv ein Aspekt, der mir hier sehr gefällt und auch wirklich einen großen Faktor ausmacht. Gerade weil in Deutschland der Winter ja so lange war und im März und April nochmal voll zugeschlagen hat, war ich so froh so weit entfernt zu sein und allem zu entfliehen.
Ansonsten ist es für mich eine völlig neue Erfahrung in einem anderen Land zu leben, aber ich muss sagen es klappt erstaunlich gut. Ich hab direkt viele Menschen kennen gelernt und auch wenn mir meine Freunde am Anfang gefehlt haben, so bin ich jetzt schon traurig drum diese Menschen in 2 Monaten nicht mehr um mich zu haben. Von den anderen internationalen Austauschstudenten hat man einfach viele neue kennengelernt, da wir eine Einführungswoche hatten und viel zusammen unternehmen und durch Südamerika reisen. Bei den Argentiniern ist dies schon etwas schwieriger. Ich liebe zwar den Optimismus und die Freude, die sie ausstrahlen und alle sind auch direkt herzlich gewesen und haben mich lieb in den Kursen aufgenommen, allerdings ist es schwer einen näheren engeren Kontakt mit ihnen aufzubauen und es bleibt etwas oberflächlich.
Meinen Traum am Ende des Semesters perfekt spanisch zu sprechen, musste ich allerdings aufgeben. Auch wenn man viel dazulernt ist es doch schwer eine Sprache nach einem halben Jahr perfekt zu beherrschen. Nichts desto trotz klappt es mit der Verständigung gut und irgendwie verstehen immer alle was ich will und das meiste von ihnen verstehe ich auch. Schließlich sind meine Kurse auch auf Spanisch. Außerdem habe ich drei Tandempartner, mit denen ich mich regelmäßig treffe und mit denen ich dann deutsch und spanisch praktiziere. Das habe ich auch schon in Deutschland gemacht und es macht wirklich richtig viel Spaß und ist meiner Meinung nach einer der effektivsten Wege um das Sprechen zu verbessern.
Ansonsten versuche ich mindestens einmal im Monat zu reisen. Ich habe schon einiges in Argentinien gesehen und in Uruguay war ich auch kurz. Allerdings ist die Zeit viel zu kurz und ich muss auch noch einmal mit ganz viel Geld wieder kommen, denn in den Süden des Landes zu reisen, kostet genauso viel wie der Flug hierher, was mir doch etwas unverhältnismäßig erscheint.
Mein Alltag weicht doch sehr stark von dem in Deutschland ab. Es beginnt schon mit Kleinigkeiten, wie was soll ich zum Frühstück essen. Gutes Brot? - Fehlanzeige. Ich koche mir mittlerweile immer ein Porridge und schnibbele frische Früchte rein. Die sind nämlich sehr gut! Ebenso das Gemüse. Allerdings gibt es lange nicht so viel Auswahl wie in Deutschland, sondern nur Saisonware. Aber damit kann ich leben. Generell ernähren sich die Argentinier meiner Meinung nach ungesund und essen viel Junkfood. Und obwohl alle die ich kenne, europäische meist italienische Vorfahren haben, machen sie die schlechteste Pizza, die ich je gegessen habe :D Trotzdem: das welt, welt, weltbeste Rindfleisch und gute Empanadas entschuldigen für alles.
Eine Sache, die ich mir Wünsche mitnehmen zu können ist die Lebensfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Wenn man in Deutschland in einen Laden geht, hat man häufig nicht mehr das Gefühl, dass das Motto gilt, der Kunde sei König, hier ist das im Allgemeinen anders, auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen. Dafür kennen die Argentinier meiner Meinung nach keine Effizienz im Job. Es sind für einen Job in Deutschland hier bald fünf Kräfte angestellt und sie schaffen es trotzdem nicht in der gleichen Zeit, weil Sachen wie Blackberry oder tratschen wichtiger sind. Naja, auch wenn nur drei Leute vor einem an der Kasse stehen und man trotzdem 20 Minuten warten muss, weiß man, man ist in Argentinien :D

Naja, der Post soll ja auch nicht allzu sehr ausarten und ich glaube ich hab schon eine Menge erzählt. Falls es noch irgend etwas gibt, was euch interessiert, werde ich es gerne auch noch erzählen. Also lasst mir doch Anregungen dar.

xoxo mrsblackorchid

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